Wenn Menschen an einen Cyberangriff denken, haben sie ein Bild im Kopf: schwarzer Bildschirm, rote Schrift, eine Lösegeldforderung. Solche Angriffe gibt es. Sie sind schlimm, aber sie haben einen Vorteil – man merkt sie sofort.
Die Fälle, die uns in Kanzleien wirklich beschäftigen, sehen anders aus. Da fällt nichts aus. Nichts blinkt. Der Betrieb läuft weiter, die Urkunden werden erstellt, das Telefon klingelt. Nur liest jemand mit.
Wie ein stiller Angriff abläuft
Am Anfang steht meist ein Kennwort, das irgendwo abgefischt wurde. Ohne zweiten Faktor genügt es, um ein Postfach zu öffnen. Ab da passiert – aus Sicht der Kanzlei – nichts.
Der Angreifer richtet sich ein. Er liest über Wochen mit. Er lernt, wie in diesem Haus geschrieben wird, welche Vorgänge laufen, wer wem wann eine Zahlungsanweisung schickt. Er wartet auf den richtigen Moment.
Der kommt, wenn eine größere Summe ansteht. Dann meldet sich jemand mit einer geänderten Bankverbindung – in gewohntem Tonfall, im richtigen Vorgang, zur passenden Zeit. Das Geld geht auf ein anderes Konto. Bemerkt wird es Tage oder Wochen später, wenn nachgefragt wird, wo die Zahlung bleibt.
Bis zu diesem Moment hätte niemand sagen können, dass etwas nicht stimmt. Denn nichts war kaputt.
Warum ein Roman
Über solche Abläufe kann man eine Präsentation halten. Wir haben es jahrelang getan. Das Problem: Eine Aufzählung von Risiken bleibt abstrakt. Man nickt, findet es einleuchtend – und geht zurück an die Arbeit.
Eine Geschichte funktioniert anders. Sie zeigt die Sache aus der Perspektive derer, denen sie passiert: Menschen, die alles richtig zu machen glauben und trotzdem übersehen, was vor ihnen liegt. Genau deshalb ist „Der stille Angriff“ ein Roman geworden und kein Fachbuch.
Ein Notar, der das Buch gelesen hat, sagte uns hinterher, er habe das Wochenende über schlecht geschlafen – und rief am Montag an, um über Zwei-Faktor-Anmeldung zu sprechen. Das hatte in zwanzig Jahren keine Präsentation geschafft.
Der Praxisteil
Damit es nicht bei einem mulmigen Gefühl bleibt, enthält das Buch einen zweiten Teil: kein Roman mehr, sondern eine Bestandsaufnahme. Die Punkte, die in Notariaten und Kanzleien tatsächlich über den Ausgang entscheiden.
Vier davon tauchen in fast jedem Fall auf, den wir kennen:
- Zwei-Faktor-Anmeldung auf allen Cloud-Zugängen. Der Punkt, an dem die meisten stillen Angriffe scheitern würden.
- Eine getestete Sicherung. Nicht eine vorhandene – eine getestete. Ob eine Sicherung trägt, zeigt sich erst bei der Wiederherstellung.
- Eine Sicherungskopie, die ein Angriff nicht erreicht. Angriffe zielen oft zuerst auf die Sicherungen.
- Eine feste Regel für geänderte Bankverbindungen. Rückruf unter einer bereits bekannten Nummer, ausnahmslos. Eine Seite schriftlich genügt.
Siebzehn Fragen, zehn Minuten
Die Checkliste aus dem Buch gibt es inzwischen auch online. Siebzehn Fragen, die Sie anklicken – und zu jeder Antwort sehen Sie sofort, was sie im Ernstfall bedeuten kann. Am Ende steht eine Auswertung mit einer klaren Reihenfolge: Was sofort angegangen werden sollte, was kurzfristig, was planbar bleibt.
Wichtig dabei: „Weiß ich nicht“ ist eine zulässige Antwort. Oft sogar die aufschlussreichste. Wer nicht weiß, ob die Sicherung je geprüft wurde, hat damit den eigentlichen Befund schon genannt.
Die Auswertung ist eine Selbsteinschätzung, kein Zertifikat – sie beruht auf Ihren Angaben. Genau deshalb ist sie ein guter Ausgangspunkt für ein Gespräch.
Das Buch
„Der stille Angriff“ von Sylvester Gillner ist im Gillner Verlag erschienen und als Taschenbuch und E-Book erhältlich.
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Wenn Sie die Punkte aus dem Praxisteil gemeinsam durchgehen möchten – wir tun das regelmäßig mit Kanzleien, unverbindlich und ohne dass Sie etwas vorbereiten müssen. Rufen Sie an: 06209 / 798715.



